film&philosophie: cypher

Cypher – Ziffer oder Geheimzeichen: Der Betrachter dieses Filmes wird zu Beginn vom Regisseur eingeladen, den Film zu entziffern. In der Tat bietet die darauf folgende Geschichte eine ganze Menge Symbole, die man für sich deuten und entziffern kann. Ich persönlich entdeckte in diesem Film die Reise der Seele, die ihre wahre Identität vergessen hat und nun durch die materielle Welt irrt, immer begleitet von Krishna in Seiner Form als Überseele.

Die Geschichte erzählt von Morgan Sullivan, der ein recht spiessiges Leben in einer amerikanischen Vorstadtsiedlung führt. Alles ist perfekt und steril, genau wie seine Ehefrau, die Morgan streng unter ihren Fittichen hält. Sie will ihm eine Stelle in der Firma ihres Vaters besorgen – bis dahin soll er den Haushalt schmeissen, das Maul halten und tun was sie sagt. Doch Morgan meldet sich auf ein Stellenangebot bei Digicorp Technology und wird, nach umfangreichen Psychotests und Prüfungen am Lügendetektor, als angehender Industriespion angeheuert. Das bringt, so denkt Morgan Sullivan, endlich ein wenig Spannung in sein langweiliges Leben. Von Digicorp Technology erhält Sullivan eine neue Identität. Er ist nun Jack Thursby und erhält auch schon den Auftrag, einer Konferenz von Sunways Systems, dem Konkurrenzunternehmen von Digicorp, beizuwohnen und die Gespräche mittels eines als Füllfeder getarnten Funkmikrofons zu übertragen. Morgan Sullivan fühlt sich toll als Spion Jack Thursby und fragt Mr. Finster, seinen Chef bei Digicorp: «Wie ist denn Jack Thursby so als Mensch?» «Sie alleine entscheiden, was für ein Mensch Jack Thursby ist», antwortet Mr. Finster. Ein leises Lächeln umspielt daraufhin den Mund von Morgan Sullivan, und man kann deutlich sehen, wie er sich als James-Bond-ähnlicher Spion zu fühlen beginnt. Das bekommt auch seine bevormundende Ehefrau zu spüren, als sie ihm verbieten will, schon wieder eine Konferenz für seinen ominösen neuen Job zu besuchen. Schliesslich sei ja die Stelle bei ihrem Vater in Aussicht, und bis dahin könne er den Haushalt führen. Der neu erschaffene Jack Thursby setzt seine James-Bond-Miene auf und erklärt seiner Ehefrau, dass er auf den Job bei ihrem Vater pfeife und dass sie ihn mal könne… Daraufhin verlässt er das Haus und reist ab.

Morgan Sullivan: Dieser Name deutet auf eine morganatische Ehe hin. Mit «morganatisch» wird im Englischen wie auch im Deutschen eine nicht standesgemässe, gesetzwidrige Ehe bezeichnet. Durch diese unglückliche Situation wird Morgan «sullen», also mürrisch, grämlich, verdriesslich.
Morgans neue Identität, Jack Thursby, hingegen ist ein Wichtigtuer, ein «Hans Dampf in allen Gassen». Das ist die Bedeutung von «Jack». Und «Thursby» klingt wie das englische «durst», «sich getraut haben», «es gewagt haben».
So wird aus dem grämlichen Ehemann ein waghalsiger Wichtigtuer, und es zeichnet sich bereits an dieser Stelle der Geschichte die Manipulation der eigenen Identität – unbewusst oder erwünscht – durch äussere Umstände ab.

Von nun an erledigt er regelmässig Spionageaufträge für Digicorp, bis er in einem der Kongresshotels Rita Foster trifft. Sie ist schön und geheimnisvoll. Sie zieht ihn magisch an, und er versucht, sie kennen zu lernen. Sie gibt sich kühl und reserviert. Aber kurz darauf wird Thursby von ihren Helfern gefangen genommen. Rita versucht Thursby zu erklären, dass sie deswegen nicht seine Feindin sei, sondern versuche, ihm zu helfen. Sämtliche Aufträge von Digicorp seien fingiert, und es ginge bloss darum, alle Anwesenden einer kollektiven Gehirnwäsche zu unterziehen. Es gäbe bei diesen Kongressen keine wirklichen Teilnehmenden. Alle seien von Digicorp engagiert und würden denken, sie seien wichtige Spione. Digicorp wolle sie alle zu identitätslosen Marionetten machen. Dann könnten diese Menschen für alles Mögliche benutzt und gegebenenfalls auch wieder mühelos entsorgt werden.

Nach dieser Erklärung schliesst Rita mit den Worten: «Denk immer daran, dass du NICHT Jack Thursby bist»! Sie kann Sullivan/Thursby überzeugen, sich von ihr eine Spritze mit einem Gegenmittel gegen das von Digicorp benutzte Psychopharmaka geben zu lassen. Sullivan will wissen, wer Rita geschickt hat. «Ein Freund», antwortet sie ihm und Sullivan erwidert: «Ich habe keine Freunde!» Rita ignoriert sein Misstrauen und schärft ihm ein, sich auf keinen Fall anmerken zu lassen, dass die Droge bei ihm keine Wirkung mehr zeigt, sonst würde er von Digicorp augenblicklich eliminiert werden.

«Foster» ist das englischsprachige Wort für pflegen, nähren, aufziehen. Somit wäre Rita Foster die richtige Person um Morgan zu beschützen. Man kann in Rita die Überseele sehen, die Morgan mit Rat und Tat zur Seite steht. Die verwirrte Seele ist jedoch geneigt, dem Materiellen zu vertrauen und der Überseele mit Misstrauen zu begegnen, denn die Rolle der Überseele ist ja nicht leicht zu verstehen. Viel einfacher ist es, für sich «Gut und Böse» zu definieren und danach zu handeln.

Nun erlebt Morgan Sullivan zum ersten Mal einen Digicorp-Kongress ohne unter Drogeneinfluss zu stehen. Und was er sieht, kann er kaum fassen: Allen Anwesenden werden Datenhelme übergestülpt, nachdem sie während den einschläfernd langweiligen Vorträgen vom gereichten, mit Drogen versetzten Wasser getrunken hatten. Mit diesen Datenhelmen werden allen ihre neuen Identitäten ins Unterbewusstsein eingetrichtert.

Nach einer grässlichen Kopfschmerzattacke wacht Morgan Sullivan in einem neuen Haus mit einer neuen Ehefrau auf. An der Wand hängt ein Hochzeitsfoto, das ihn mit seiner neuen Frau zeigt. Morgan weiss, dass er sich nichts anmerken lassen darf und spielt das Spiel als Jack Thursby weiter.

Wenn die Seele die materielle Illusion erkennt, kann sie ihr häufig nicht einfach entfliehen, sondern muss das Spiel zu Ende spielen. Erkenntnis kann zu einer grossen Last werden. Das ist jedoch eindeutig besser, als in Illusion ein stumpfes Glück zu geniessen.

In einem Bürohaus-Lift erhält Morgan eine Nachricht zugespielt, die ihn anweist, so schnell wie möglich zu Sunways Systems, dem Konkurrenzunternehmen von Digicorp zu kommen. Weil Morgan denkt, die Nachricht stamme von Rita, folgt er der Anweisung.

Die Firma Sunways Systems verkörpert im Film das «Gute». Schon der Name enthält «Sun», die Sonne und zeigt einen «way», einen Weg zum Licht. Das Firmengebäude ist in runden, organischen Formen gehalten, liegt an einem schönen See und strahlt Sauberkeit aus.
Das Gebäude der Firma Digicorp Technology, die Verkörperung des «Bösen»,  ist dagegen extrem technoid, eckig und in düsteren Farben gehalten. Der Name suggeriert sterile, digitale Technologie und «corp» bedeutet wohl «coperation», kann sich aber auch auf «corpse», eine Leiche beziehen.
Der Boss bei Digicorp heisst dementsprechend auch «Mr. Finster», und der Boss bei Sunways Systems heisst Frank Callaway. «Callaway» deutet darauf hin, dass er uns vom Dunklen wegruft, uns davon abhalten will in die Finsternis zu gehen. «Frank» bedeutet «offen und ehrlich». Frank Callaway kommt auch viel offener und freundlicher auf Morgan zu als Digicorps Boss Mr. Finster.

Callaway schlägt vor, dass Morgan ein Agent für Sunways wird, da er in den Augen von Digicorp nun gehirngewaschen ist und deshalb vollkommen vertrauenswürdig. Sunways würde dafür sorgen, dass Morgan abermals eine völlig neue Identität bekäme und damit ungestört irgendwo auf einer Südseeinsel leben könnte – nach getaner Spionagearbeit für Sunways.

Doch für Morgan/Jack wird das langsam mehr als er ertragen kann. «Ich will kein Doppelagent sein! Ich will nach Hause – und zwar dorthin, wo ich wirklich zu Hause bin!», schreit Morgan verzweifelt. Frank Callaway eröffnet ihm jedoch, dass seine wirkliche Ehefrau längst die Scheidung eingereicht und das Haus zum Verkauf ausgeschrieben hätte. Er, Morgan, habe gar kein wirkliches Zuhause mehr. Morgan Sullivan steht kurz vor dem Zusammenbruch – weiss überhaupt nicht mehr, was er tun soll, und will deshalb sofort Rita Foster sehen.

Er hat bis jetzt geglaubt, sie arbeite für Sunways Systems und ist deshalb dem Ruf von Sunways gefolgt. Doch Frank Callaway klärt Morgan darüber auf, dass Rita für Sebastian Rooks arbeitet. Morgans Verwirrung wächst weiter. «Wer, zum Teufel, ist Sebastian Rooks?!», will er wissen. Rooks, erklärt Callaway, sei von Sunways angeheuert worden, um einen Agenten von Digicorp zu suchen, der nicht gehirngewaschen ist – also genau ihn, Morgan Sullivan. Noch nie hätte jemand Rooks gesehen, nur seine Agentin, Rita Foster, stehe mit Sunways in direktem Kontakt.

Auch der Name «Sebastian Rooks» kann vertrauenserweckend interpretiert werden: «Sebastian» kann «the bastion», das Bollwerk gegen «rooks», Gauner sein. «Rook» bezeichnet auch den Turm im Schachspiel. Der Name bezeichnet also einen Bollwerk-Turm, einen sicheren, uneinnehmbaren Ort.

Callaway erklärt Morgan weiter, dass er gar nicht anders könne, als für Sunways zu arbeiten. Nur Sunways würde ihm eine neue Identität beschaffen können. Digicorp habe überall Agenten und würde Morgan sofort eliminieren, wenn die fehlgeschlagene Hirnwäsche ans Tageslicht käme. Morgan müsse lediglich die Wohnung, die er zusammen mit der neuen Ehefrau bewohnt, mit Wanzen bestücken und weiterhin so tun, als sei er Jack Thursby.

Morgan sieht keine Alternative und befolgt die Anweisungen von Callaway. Einige Tage später sitzt Morgan mit Callaway zusammen im Überwachungsraum bei Sunways, und betrachtet die Aufnahmen der Überwachungskameras, die er heimlich in allen Zimmern seiner Wohnung angebracht hat. Er ist erschrocken, als er sein Leben als vermeintlicher Spion auf den Bildschirmen sieht. «Mein Gott», ruft er aus, «das sieht ja genauso aus, wie mein Spiesserleben vorher als Morgan Sullivan! Jack Thursby ist aber ganz anders! Er trinkt Scotch und spielt Golf!» Lächelnd antwortet Callaway, dass das nur Morgans Idee von Jack Thursby sei. Digicorp sehe das anders: Sie seien nicht an der Person Jack Thursby oder Morgan Sullivan interessiert, sondern nur daran, ihn zu einer Marionette zu machen, um ihn dann für die wirkliche Spionagearbeit einzusetzen – und vor allem auch daran, ihn jederzeit ohne weiteres eliminieren zu können.

Morgans Verwirrung über seine Identität wird immer umfassender. Eigentlich hätte er sich als Jack Thursby gefallen – er hat sich diese Persönlichkeit ja selber ausgedacht. Von aussen, auf dem Bildschirm betrachtet, sieht diese erdachte Persönlichkeit aber ebenso fade, ebenso spiessig aus wie die von Morgan Sullivan.

Nun bittet er Rita Foster um Hilfe. Sie soll sich an Sebastian Rooks wenden, um ihn zu engagieren. Rita willigt nur zögernd ein, ihn mit Rooks zusammenzubringen. Morgan will von Rita wissen, ob er Rooks trauen könne. Rita will sich nicht festlegen, aber sie garantiert, dass Rooks ihm eine wirklich neue Identität beschaffen könne. Alles andere sei Morgans eigene Entscheidung.

Die Seele in der materiellen Welt gerät über ihre wahre Identität in grosse Verwirrung. Die spirituelle Seele ist nicht für ein Leben in der materiellen Welt geschaffen, deshalb wird ihr ein solches Leben immer schal und langweilig vorkommen, ganz gleich, was für Identitäten sie sich ausdenkt. So wendet sich die Seele voller Verzweiflung an die Überseele, jedoch ohne die Funktion der Überseele zu verstehen und ohne die eigene Identität zu begreifen. Die Überseele ist neutral und will deshalb die Seele nicht manipulieren, sondern ihr lediglich ermöglichen, ihre Wünsche in Erfüllung zu bringen. Der geheimnisvolle Sebastian Rooks deutet auf diese ewige wahre Identität der Seele hin. Der Wunsch, diese wahre Identität wiederzuerlangen, muss jedoch von der Seele selbst kommen, die Überseele verhält sich neutral.

Rita erklärt Morgan den wahren Sachverhalt: «Es geht beim ganzen Spiel darum, dass Sunways Digicorp gefälschte Daten zuspielen will. Digicorp soll merken, dass du, Jack Thursby, eigentlich nicht gehirngewaschen wurdest, sondern für Sunways spionierst. Digicorp wird sich jedoch nicht anmerken lassen, dass sie dies wissen. Sobald du zu Sunways wichtigstem Doppelagent geworden bist, werden sie dich wieder anzapfen. Genau darauf wartet jedoch Sunways und wird dich dann zu ihrem topgeheimen, von der Aussenwelt völlig isolierten Datenbunker schicken, um ein Datenfile dahin zu bringen. Digicorp wird denken, dass dies äusserst wichtige Daten sind, und wird deshalb versuchen, diese Daten von dir zu stehlen. Damit rechnet Sunways und wird so Digicorp die gefälschten Daten zuspielen.

Du kannst also beiden Parteien nicht trauen! Sunways ist ebenso skrupellos wie Digicorp und wird dich nach dieser ganzen Operation ebenso ausschalten, wie Digicorp das tun würde!» Weiter erklärt Rita, dass letztlich nur Rooks Morgan beschützen kann, und Morgan ihr, Rita, sein volles Vertrauen schenken soll.

Diese Sequenz zeigt das verwirrende Spiel von Gut und Böse in der materiellen Welt. Wer oder was ist das Böse, wer oder was ist das Gute? Diese Frage stellt sich die verwirrte Seele, und die Antwort kann sehr verschiedenartig ausfallen. Die Überseele ist transzendental und warnt deshalb die Seele vor dem irdischen Bösen, wie auch vor dem irdischen Guten, denn alle beide lenken die Seele von ihrem Weg in die Transzendenz ab! Sobald sich die Seele mit dem Bösen oder mit dem Guten einlässt, nehmen die Verstrickungen kein Ende mehr. Dies wird Karma genannt und führt immer – ob Gut oder Böse – zu einer Wiedergeburt in der materiellen Welt. Nur Rooks kann Morgan beschützen, weil Rooks die wahre Identität Morgans kennt/ist. Um dies zu verwirklichen braucht Morgan Vertrauen in die Überseele.

Morgan, der nun mitten im Spiel von drei Parteien steht, ohne zu wissen, wem er nun wirklich vertrauen kann, nimmt bald darauf von Sunways eine Disc entgegen, die er zu besagtem Datenbunker bringen soll. Rita tauscht die Disc aus und bringt ein Ortungsgerät in Form eines Eheringes an Morgans Finger an. Rooks werde ihn orten und nach der Operation zu seiner Rettung kommen, beteuert Rita.

Auf seinem Weg zum Datenbunker wird Morgan von Digicorps Boss Mr. Finster entführt. Wie geplant weiss er, dass Morgan/Jack nicht gehirngewaschen wurde, und als Doppelagent für Sunways arbeitet. Morgan befürchtet, dass Finster ihm nun die Disc abnehmen und ihn dann töten werde. Doch überraschenderweise bietet ihm Finster an, mit ihm zusammen zu arbeiten. In Wahrheit sei er nicht bei Digicorp, sondern ein Agent für Rooks! Rooks habe ihn, Finster, bezahlt, damit er Morgan überhaupt bei Digicorp anstelle. Rooks habe das gesamte Doppelagenten-Hin-und-Her von Anfang an geplant. In Wahrheit wolle Rooks eine Datei aus dem Datenbunker von Sunways stehlen und wisse, dass nur ein Topagent von Sunways Zutritt zu diesem Bunker bekommen würde. Deshalb der ganze komplizierte Plan!

«Rooks will also, dass Sie im Bunker eine bestimmte Datei stehlen. Wenn Rooks diese Datei will, muss sie ungeheuer wertvoll sein. Sie werden also diese Datei nicht Rooks, sondern mir übergeben. Mit mir hat Rooks nicht gerechnet! In Wahrheit arbeite ich eben doch für Digicorp – auch ich bin ein Doppelagent», erklärt Finster. Morgan will wissen, wieso er dies alles tun sollte, und Finster meint dazu lakonisch: «Ganz einfach: Weil wir Sie am Leben lassen und Rooks Sie ganz bestimmt töten wird. Niemand, der Rooks jemals gesehen hat, bleibt am Leben! Rooks ist mehr als nur “Undercover”. Er ist ein virtueller Superman, ein Fantom. Alle engagieren ihn, ohne zu wissen, wer er ist. Nur so kann er überleben und seine Jobs erledigen. Sobald er die Disc mit den Daten hat, sind Sie erledigt! Die einzige, die Rooks kennt, ist Rita Foster. Sie ist Rooks Geliebte. Sie ist ihm treu ergeben – und nur ihm! Also können Sie auch Rita nicht trauen. Sie können nur noch MIR trauen!» Morgan ist sehr verunsichert. Rita hatte ihn geküsst. Morgan hatte geglaubt, dass sie dasselbe für ihn empfindet, wie er für sie. Nun muss er hören, dass Rita zu Rooks gehört. Scheinbar kann er wirklich nur noch Finster vertrauen.

Die Verwirrung der Seele nimmt kein Ende! Neben den beiden Parteien, die man einfach in Gut und Böse einteilen könnte, kommt nun noch eine dritte Partei ins Spiel. Damit wird die Definition von Gut und Böse, von Freund oder Feind noch schwieriger.
Die Seele in der materiellen Welt wird mit verschiedenen Arten von Selbstverwirklichung gelockt. Alle arbeiten scheinbar mit Rooks, mit der wahren Identität, zusammen. Selbstverwirklichung durch eine Berufskarriere, durch sportlichen Erfolg oder durch Ruhm und Ehre als politischer Führer sind verlockende Ziele, aber letztlich haben sie alle nichts mit der wahren Natur der Seele zu tun. Die weltlichen Energien – Gut und Böse – versuchen die Seele von der Information über ihre wahre Natur fernzuhalten.
Diese Informationen sind tief im Inneren eines jeden Wesens verborgen. Dies ist der schwer zugängliche Datenbunker in dieser Geschichte. Und die wahre Identität, Rooks, will diese Informationen aus dem Bunker befreien und der verwirrten Seele zugänglich machen. Rita, die Überseele, ist die liebende Begleitung, von Krishna gesandt, um der Seele zu helfen. Morgan, die verwirrte Seele, liebt die Überseele, Rita, in unwissender Weise und wird deshalb misstrauisch, als er von der innigen Beziehung von Rita mit Rooks, der niemand anders als seine wahre Identität ist, erfährt.
Zudem verängstigt Finster Morgan, indem er argumentiert, dass Rooks niemanden leben lässt, der sein Gesicht gesehen hat. Das ist bezeichnend für die wahre Natur der Seele: Wer Selbstverwirklichung erlangt, stirbt tatsächlich in der materiellen Welt und geht in die spirituelle Welt ein. Wenn also die Seele ihr eigenes, wahres Gesicht sieht, ist sie für die materielle Welt gestorben. Die materiellen Energien versuchen, dies zu verhindern, und säen Misstrauen und Angst vor dem spirituellen Pfad. So kann es passieren, dass sich die Seele wieder von der Überseele und dem spirituellen Pfad abwendet und sich weiter dem materiellen Pfad, Finster und Callaway, widmet.

Morgan begibt sich zum Datenbunker von Sunways und lädt dort die von Rooks gewünschte Datei auf seine Disc. Der Datenklau wird jedoch bemerkt und Morgan muss fliehen. Er wird in letzter Sekunde von Rita gerettet, die ihm sagt, dass er ja wisse, dass sie ihm überall hin folge. Rita will Morgan nun zu Rooks bringen. Rooks freue sich, ihn kennenzulernen, sagt Rita zu Morgan. Doch sobald sie in Rooks Haus angekommen sind, schliesst Rita Foster Morgan in einem Zimmer ein. Morgan fragt sich, ob Rocks ihn nun töten werde, und ruft kurzentschlossen Finster an, um ihn um Hilfe zu bitten. Finster versichert Morgan, dass er bald eintreffen und ihn retten werde.

Unterdessen kommt Rita ins verschlossene Zimmer zurück. Morgan nimmt die Disc mit den gestohlenen Daten und droht, sie zu zerbrechen. Zudem bedroht er sie mit einem Revolver. Er klagt sie an, ihn nur ausgenutzt zu haben, Gefühle für ihn geheuchelt zu haben, um ihn für ihre und Rooks Pläne zu gewinnen. Rita beteuert, dass dem nicht so sei und dass Rooks nicht der ist, für den Morgan ihn hält. Doch Morgan will keine Lügen mehr hören. Wutentbrannt verwünscht er sein Vertrauen zu Rita und seine Gefühle für sie. Von Morgans harten Worten tief betroffen, geht Rita auf Morgan zu – doch dieser weiss um ihre Kampfkunst, fühlt sich deshalb bedroht und schiesst auf sie. Verletzt sinkt Rita zu Boden, sagt aber noch zu Morgan, dass er um Himmels Willen zu Rooks gehen solle.

Die Verwirrung der Seele ist tief und anhaltend. Der Vorgang der Selbstfindung erscheint zunehmend bedrohlich, je näher sie sich selbst (Rooks) kommt. Die Seele wendet sich in ihrer Angst unbewusst gegen ihre eigenen Interessen und verhält sich feindlich gegenüber dem spirituellen Pfad. Die Seele fühlt sich bedroht vom Spirituellen (Rooks und Rita), will die Informationen über das wahre Selbst zerstören und ruft das Materielle (Finster) um Hilfe an. Die Hilfe der Überseele wird als Bedrohung angesehen und die Überseele kann die Seele nur noch eindringlich bitten, doch die Suche nach dem wahren Selbst nicht aufzugeben.

Mit gezückter Pistole schleicht Morgan ins Zimmer von Rooks. Da ist jedoch niemand. Vorsichtig schaut er sich um. Nach und nach entdeckt er Gegenstände, die ihm bekannt vorkommen. Eine Golfausrüstung, eine Sammlung von edlem Whisky, seine spezielle Zigarettenmarke, ein Modell einer Segelyacht – alles Dinge, die er sich als Jack Thursby angeeignet hat. Zuletzt erblickt er noch ein gerahmtes Foto an der Wand. Es zeigt ihn zusammen mit Rita als verliebtes Paar! ER SELBST IST ROOKS!

Endlich findet die verwirrte Seele zur Selbstverwirklichung! Morgan begreift nun seine wahre Identität und somit auch seine Beziehung mit Rita: Die Überseele ist immer in liebevoller Beziehung zur Seele. Die übrigen Erkennungsmerkmale, wie Zigarettenmarke, Whiskysorte und Segelyacht sind wohl eher fragwürdig, aber deuten auf die Sehnsucht der Seele hin. In seiner Sehnsucht, jemand anders zu sein, hat sich Morgan Sullivan die Identität von Jack Thursby zugelegt und dabei unbewusst Eigenschaften seines wahren Selbst, Rooks, angenommen. Die Seele sehnt sich unbewusst nach Selbstverwirklichung, wird jedoch in der materiellen Welt vom verwirrenden Spiel der illusorischen Energien davon abgehalten, den notwendigen Weg zu gehen.

Rita, die (wie immer im Film) nur einen Streifschuss an der Schulter abgekriegt hat, kommt ins Zimmer und erklärt ihm, dass sie versucht habe, ihn von dieser ganzen Sache abzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Er hätte geglaubt, dass dies der einzige Weg sei, um an diese Daten zu kommen. «Willkommen zuhause Mister Rooks», sagt Rita zu Sullivan/Thursby/Rooks und mahnt ihn zur Eile, denn bald komme Finster, den er ja selber alarmiert habe.

Doch Morgan ist immer noch in seiner Verwirrung gefangen und schreit Rita an, dass er keine Trick und Lügen mehr ertragen könne, dass er dies alles nicht verstehe. «Dann werde ich es dir erklären», sagt Rita und fährt fort: «Du wolltest diese Daten von Sunways stehlen. Deshalb hast du dich selber in den Spiesser Morgan Sullivan verwandelt. Du selbst hast dich gehirngewaschen mit derselben Technik, wie sie von Digicorp benutzt wird. Du hast nämlich diese Technik an Digicorp verkauft. So konntest du alle Psychotests bestehen und zu diesem Doppelagenten Jack Thursby werden, der dann von Digicorp zu Sunways geschickt wurde. Deine wahre Identität war doppelt gedeckt. So hast du deinen Plan ausgeführt und hast nun diese Daten.»

«Das alles soll ich wegen dieser Daten getan haben?», ruft Morgan/Rooks ungläubig, «Was, zum Teufel, sind denn das für Daten?» «Das weiss ich auch nicht», beteuert Rita, «ich hatte gehofft, das von dir zu erfahren.»

Die Überseele begrüsst die verwirrte Seele, die nun beginnt ihre wahre Natur zu erkennen. Die Überseele erklärt, dass die Seele selbst wünscht, in Vergessenheit zu leben. Sie will sich als Teil von Gott vergessen und sich selbst für den Handelnden und Kontrollierenden halten. Deshalb die «Gehirnwäsche» oder eben die Unterwerfung an Krishnas illusorische Energie «maya».

Die wahre Natur der Seele wird sehr gründlich überdeckt. Zuerst ist da der freie Wille der Seele, in die Vergessenheit zu gehen. Dazu kommt die Doppelfunktion von maya, nämlich die Seele von ihrer wahren Natur abzulenken und gleichzeitig mit Vergessenheit zu überdecken. Bei ihrem Erwachen kann die Seele nicht verstehen, warum und wie sie jemals auf die Idee gekommen sein soll, dieses ganze Unterfangen anzugehen. Deshalb wird sie auch wieder und wieder in Zweifel gestürzt. Im Film weiss Rooks nicht mehr, was für Daten er da stehlen wollte. Genauso wenig weiss die Seele, weshalb sie die ganze Mühsal der materiellen Existenz auf sich genommen haben soll. Die Seele beginnt also die Selbstverwirklichung zu erahnen, doch ist das wahre Selbst noch nicht verwirklicht – die illusorische Energie, maya, hat die Seele immer noch im Griff.

In diesem Moment hat das Überfallkommando von Finster das Haus erreicht und dringt von allen Seiten ein. Gleichzeitig trifft auch ein Spezialtrupp von Sunways ein, die den Datenklau bemerkt haben und nun den Dieb ebenfalls jagen. Rita und Rooks flüchten aufs Dach, wo ein futuristischer Super-Helikopter steht. Sie stürzen sich auf die Sitze, doch Morgan/Rooks weiss nicht was er mit den unzähligen Schaltknöpfen anfangen soll. «Weisst du wie man das Ding fliegt?», wendet er sich hilfesuchend an Rita. «Nein, DU musst es wissen, denn du hast das Ding konstruiert», entgegnet Rita. «Morgan Sullivan kann diesen Helikopter nicht fliegen, aber Sebastian Rooks kann es!», bekräftigt sie.
«Ich kann mich nicht an Sebastian Rooks erinnern!», ruft Morgan verzweifelt.
«Du hast dich aber immer daran erinnert, dass du mich liebst – trotz all deiner falschen Identitäten», sagt Rita ruhig zu Morgan.
Bei diesen Worten tauchen bei Morgan/Sebastian plötzlich Bilder der Erinnerung an seine Liebesbeziehung zu Rita auf, und dadurch findet er wieder zu seiner wahren Identität «Sebastian Rooks».

Augenblicklich ist auch seine Fähigkeit, diesen Helikopter zu fliegen, wieder da, und er hebt im Kugelhagel von Finsters und Callaways Überfallkommandos ab. Der Helikopter ist kugelsicher und so prallen die Geschosse wirkungslos ab. Digicorps Mr. Finster und Sunways Frank Callaway stehen zusammen auf dem Dach und schauen dem Helikopter nach. «Konnten Sie wenigstens Rooks Gesicht sehen?», will Finster von Callaway wissen. Dieser antwortet: «Nein, nur das Gesicht von Morgan Sullivan, unserer Schachfigur.»

In diesem Moment dreht sich der fliegende Helikopter gegen die beiden und sie können sehen, dass ihre Schachfigur Morgan den Helikopter fliegt. Sofort realisieren beide: Morgan Sullivan IST Sebastian Rooks! Und in diesem Augenblick zündet Rooks die Bombe, die er auf dem Dach installiert hatte, und sein Haus geht zusammen mit dem Überfallkommando und zusammen mit Finster und Callaway in einer riesigen Explosion auf.

Es kommt nun zum grossen «Showdown». Die Seele gelangt zum entscheidenden Punkt in ihrer materiellen Existenz, an dem sie sich endgültig aus der Illusion befreien kann. Die Überseele verhält sich neutral, die Seele muss den Helikopter – die endgültige Loslösung – selber fliegen. Die materielle Natur mit ihren beiden gegensätzlichen Aspekten von Gut und Böse – im Film verkörpert von Callaway und Finster – versucht, die Seele zurückzuhalten. In dieser Stresssituation muss die Seele einen kühlen Kopf bewahren, der Todesangst trotzen und ihr Ziel weiterverfolgen.

Die Überseele steht inspirierend zur Seite, greift aber nicht ein. Wenn sich die Seele der liebenden Beziehung zur Überseele, zu Krishna, erinnert, wird auch die Fähigkeit, sich von der materiellen Welt zu lösen, sofort aktiviert, und die Seele hebt ab. Maya, die materielle, illusorische Energie, feuert ihre Kugeln ab, versucht die Seele in der Illusion zu halten, doch die Kugeln prallen ab. Die Seele, die der Materie entsagt hat, ist immun gegen diese Geschosse.

Im Wortwechsel von Callaway und Finster, der beiden materiellen Aspekte Gut und Böse, kann man erkennen, wie sie die gefangenen Seelen als ihre Schachfiguren betrachten, die sie auf dem Schachbrett der materiellen Welt hin und her schieben. Eine Seele, die sich aus ihrem Machtbereich löst, ist eine Gefahr für sie und muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Sie erkennen den geheimnisvollen Rooks, den sie eigentlich ausschalten wollten. Aber da werden sie durch die Bombe der endgültigen Selbstverwirklichung der Seele vernichtet. Die Materie ist nur eine illusorische Existenz des Spirituellen und hat keinen eigenen Bestand. Alles fliegt in die Luft und löst sich auf…

Jetzt sehen wir Sebastian und Rita zusammen auf einer Segelyacht im endlosen Meer dahinsegeln. Sie sind offensichtlich glücklich. Doch wollen sie beide wissen, was denn das nun für wichtige Daten waren. Auf ihrem Computer sehen sie, dass es sich um ein Fahndungs-Datenfile zu Ritas Identität handelt. Die einzige Spur zu Rooks führt über Rita und deshalb sollte dieses File für immer aus dem Datenspeicher von Sunways verschwinden.

Aus diesem Grund musste Rooks jegliche Verbindungen zu Rita kappen, indem er sich selbst gehirngewaschen hat. Nun wurde das einzige vorhandene Datenfile über Rita gelöscht und somit auch der Schlüssel zu ihm selbst. Damit waren sie beide nicht mehr in der Gefahr, durch die weltbeherrschenden Organisationen aufgespürt und eliminiert zu werden. Ihr Leben war nun frei.

Der Schluss zeigt auf, dass das Wissen über den spirituellen Pfad eine Gefahr für die etablierte materialistische Gesellschaftsordnung darstellt. Deshalb wird das spirituelle Wissen bekämpft und durch Pseudo-Spiritualität ersetzt. Man bewegt sich im Schema von Gut und Böse. Was Moral und Ethik bedeutet, wird von vermeintlichen spirituellen Autoritäten festgelegt. Die Menschen sollen sich danach richten und sich regelkonform verhalten. Der selbstverwirklichte Rooks stellte also eine Gefahr für die Gesellschaften von Gut und Böse dar. Er wurde verfolgt und hat sich mit dieser Aktion für die Verfolger unsichtbar gemacht.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Protected by WP Anti Spam