{"id":286,"date":"2013-02-04T12:50:43","date_gmt":"2013-02-04T12:50:43","guid":{"rendered":"https:\/\/radhe-syama.ch\/wordpress\/?p=286"},"modified":"2013-02-04T12:50:43","modified_gmt":"2013-02-04T12:50:43","slug":"filmphilosophie-fight-club","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/radhe-syama.ch\/wordpress\/filmphilosophie-fight-club\/","title":{"rendered":"film&#038;philosophie: fight club"},"content":{"rendered":"<p>Vordergr\u00fcndig ist Gewalt das Thema dieses Films, doch es geht um mehr: die Identit\u00e4tssuche des Menschen, die Suche nach sich selbst. Der Film zeigt keine L\u00f6sung, kein Ende der Suche. Im Gegenteil, er endet im Chaos \u2013 einerseits. Andererseits hat sich der identit\u00e4tssuchende, namenlose Erz\u00e4hler durch das von ihm angerichtete Chaos \u2013 er f\u00fchrt die ganze global vernetzte Konsumgesellschaft zum Zusammenbruch \u2013 von seiner unheimlichen, dunklen Seite befreien k\u00f6nnen. Ein schockierender Film, der neben IKEA, Microsoft und Calvin Klein auch Staat, Kirche, Feminismus, Psychoanalyse und Wall Street in die Zange nimmt.<\/p>\n<p>Der Film beschreibt die Suche von Menschen nach schl\u00fcssigen Antworten auf ihre Fragen, weil f\u00fcr sie der Sinn des Lebens zusehends im Un- und Wahnsinn unterzugehen droht. Auch ein einfach gestricktes Gottesbild (Gott liebt dich, wir sind doch alle seine Kinder) hilft dem nachdenklichen Menschen nicht viel weiter. Dem Suchenden im Film kommt es jedenfalls eher vor, als w\u00e4ren die meisten \u201cKinder Gottes\u201d ungewollte und ungeliebte Kinder.<\/p>\n<p>Der Film \u201cFight Club\u201d zeigt ziemlich d\u00fcstere \u201cL\u00f6sungen\u201d, aber er spricht auch die tiefgr\u00fcndigen Probleme des Identit\u00e4tsverlustes, der Sinnfrage der menschlichen Existenz an, und das geht unter die Haut. Wenn der graue Alltagstrott so bet\u00e4ubend auf K\u00f6rper und Geist wirkt, dass Schmerz zur \u201cWirklichkeitsdroge\u201d wird, dann gewinnt der Kampf Mann gegen Mann mit blossen F\u00e4usten \u2013 so lange, bis einer aufgibt \u2013 dem Leben einen Sinn ab. Es geht nicht um Sieg oder Niederlage, nicht um Ruhm oder Macht, und schon gar nicht um Geld \u2013 es geht darum, sich selbst zu sp\u00fcren; wenn nicht durch Gl\u00fcck und Zufriedenheit, dann wenigstens durch Schmerz. Schmerz ist einfach zu haben, w\u00e4hrend Gl\u00fcck und Zufriedenheit in dieser Konsumgesellschaft nicht einmal mehr schl\u00fcssig definiert \u2013 geschweige denn erfahren \u2013 werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wohin f\u00fchrt diese Idee, durch Schmerzen zur Selbstverwirklichung zu gelangen? Ins Ungl\u00fcck, wie der Film zeigt: Die Pers\u00f6nlichkeit des Erz\u00e4hlers beginnt sich zu spalten \u2013 die Sinnsuche f\u00fchrt ihn langsam in den Wahnsinn. Erst gegen den Schluss des Filmes erf\u00e4hrt der Zuschauer, dass Tyler Durden, den der Erz\u00e4hler eingangs im Flugzeug getroffen hatte, und der alles verk\u00f6rpert, was sich der Erz\u00e4hler \u2013 ein kleiner unbedeutender B\u00fcrosklave \u2013 insgeheim ertr\u00e4umt, aber nicht einmal sich selbst eingesteht, eigentlich sein unbewusstes, dunkles Ego ist. \u201cZusammen\u201d bauen sie die Fight Clubs auf, in denen sich alltagsm\u00fcde M\u00e4nner gegenseitig den Sinn des Lebens einpr\u00fcgeln k\u00f6nnen. Das dunkle Ego, Tyler Durden, wird immer m\u00e4chtiger, und der namenlose Erz\u00e4hler verliert zusehends die \u00dcbersicht \u00fcber die Aktivit\u00e4ten seines \u201cFreundes\u201d Tyler Durden. Der hat sich mittlerweile eine kleine Terroristen-Armee aufgebaut, aus M\u00e4nnern, die von ihren mittels Schmerzen erzeugten \u201csinnvollen\u201d Augenblicken durch eine Hintert\u00fcr vom Unsinn in den Wahnsinn abgetaucht sind. In s\u00e4mtliche B\u00fcrot\u00fcrme der Kreditkartenfirmen in New York und anderen amerikanischen Millionenst\u00e4dten haben sie Bomben eingeschmuggelt, die nur noch auf die Z\u00fcndung warten. Schliesslich kommt der Erz\u00e4hler sich selbst auf die Schliche. Er beginnt, seine zunehmend krankhafte und zerst\u00f6rerische Schizophrenie zu erkennen.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Films erg\u00f6tzt sich der Erz\u00e4hler \u2013 an Schlaflosigkeit leidend \u2013 am Leid anderer Menschen, indem er an allen m\u00f6glichen Selbsthilfegruppen teilnimmt. Zu seinem eigenen Erstaunen kann er sich in der Krebs-Gruppe hemmungslos ausweinen und dadurch endlich wieder schlafen. Und dann gibt es da diese Frau, die ebenfalls als \u201cTouristin\u201d in die Selbsthilfegruppen geht. Er kann es nicht ertragen, sie \u2013 die sein eigenes Verhalten spiegelt \u2013 auf seinen Touren durch die Selbsthilfegruppen st\u00e4ndig zu treffen. Er versucht sie wegzuekeln, was ihm jedoch den ganzen Film \u00fcber nicht gelingt. Er kriegt sozusagen sein Spiegelbild nicht los. So verliebt sich nicht er in sie, sondern Tyler Durden, sein dunkles Ego. Und als er alles begreift, ist es schon (zu?) sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Als er auch nicht mehr f\u00e4hig ist, den Bombenterror, den er selbst vorbereitet hat, aufzuhalten, jagt er sich schliesslich eine Kugel in den Mund. So verschwindet Tyler Durden, seine dunkle Seite, und er erkennt, dass niemand ausser ihm Tyler Durden jemals gesehen hat. Er ist sein eigenes wahnsinniges Hirngespinst, das durch die in der Schluss-Sequenz des Films hochgehenden Bomben und die in sich zusammenst\u00fcrzenden Wolkenkratzer New Yorks zur schrecklichen Wirklichkeit geworden ist. Mit zerschossenem Kiefer dem Chaos, das er angerichtet hat, zuschauend, sagt er zu seiner Freundin: \u201cEin schlechter Moment in meinem Leben, um mich kennenzulernen&#8230;\u201d<\/p>\n<p>Menschen, die sich dem spirituellen Leben zuwenden, suchen nach ihrer Identit\u00e4t \u2013 ihrer wahren Identit\u00e4t jenseits der k\u00f6rperlichen, zeitlichen und situationsbedingten Pers\u00f6nlichkeitskriterien. Spirituell Interessierte sehen bei dieser Suche wohl kaum eine L\u00f6sung in k\u00f6rperlichem Schmerz. Aber der Film zeigt auch, wie die vielen Mitglieder der Fight Clubs ihren gewohnten T\u00e4tigkeiten nachgehen und wie die verborgene Dimension ihres Lebens f\u00fcr sie je l\u00e4nger, je mehr an Bedeutung gewinnt und ihnen Sinn und Zufriedenheit im Alltag gibt. Die \u201cverborgenen Dimensionen\u201d eines spirituell suchenden Menschen sind nicht irgendwelche dunklen Fight Club-Keller, sondern vielleicht eher lichte Meditationsr\u00e4ume, aber die Idee ist dieselbe: Das menschliche Leben umfasst verschiedene Dimensionen. Besonders die spirituelle Dimension, wo die wahre Identit\u00e4t des Lebewesens liegt, sollte nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Dies ist auch eine der grundlegenden Anweisungen der vedischen Schriften: <em>atatho brahma jij\u00efasa.<\/em> Hier und jetzt <em>(atatho)<\/em> sollst du die spirituelle Dimension <em>(brahma)<\/em> erforschen <em>(jij\u00efasa)<\/em>. Dies geschieht ja nun nicht unbedingt durch Faustk\u00e4mpfe, sondern eher durch einen Kampf, der in unser Innerstes f\u00fchrt und uns zeigt, wer wir sind&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vordergr\u00fcndig ist Gewalt das Thema dieses Films, doch es geht um mehr: die Identit\u00e4tssuche des Menschen, die Suche nach sich selbst. 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